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10 Eltern-Mythen über Kinder und das Internet, Teil I

10 Eltern-Mythen über Kinder und das Internet, Teil I

 

Anders als die meisten Erwachsenen kennen viele Kinder und Jugendliche ein Leben ohne Internet nicht. Dass es Computer und Smartphones gibt, ist für sie völlig selbstverständlich. Sie können sich oft gar nicht vorstellen, dass es Zeiten gab, in denen das nicht so war. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass sich die Kids bei einem Besuch oder im Urlaub erst einmal nach WLan und dem Schlüssel dafür erkundigen.

Dazu kommt, dass Kinder das Internet anders nutzen und anders erleben als Erwachsene. Die Folge sind Denkfehler und Halbwahrheiten. Einige davon malen Teufel an die Wand, wo es keine gibt. Andere schätzen die ganze Sache zu harmlos ein. Grund genug, zehn weit verbreitete Eltern-Mythen über Kinder und das Internet einmal näher zu betrachten und richtigzustellen.

 

Mythos Nr. 1: Kinder finden sich im Internet alleine zurecht.

Als seinerzeit das Internet aufkam, haben die Eltern von heute die Technik auf eigene Faust erkundet. Sie haben selbst herausgefunden, wie das Surfen funktioniert und wie E-Mails geschrieben werden. Ihre Eltern konnten oder wollten ihnen dabei keine echte Hilfe sein. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn heutige Eltern ihren Kindern ebenfalls zutrauen, alleine mit dem Internet zurechtzukommen.

Was viele Eltern aber übersehen ist, dass sie damals keine kleinen Kinder mehr waren. Um sich in der Online-Welt bewegen zu können, mussten sie zumindest lesen und schreiben können. Denn Touchscreens und Sprachsteuerungen gab es noch nicht. Und auch das Internet stand noch am Anfang. Eine eigene Homepage zu haben, war etwas Besonderes. Selbst wenn die Eltern auf fragwürdige Inhalte stießen, waren sie alt genug, um diese richtig einzuordnen. Kleine Kinder können das (noch) nicht.

Medienkompetenz ist nicht nur wohlklingende Vokabel für den Lehrplan oder die Bewerbungsmappe. Natürlich müssen die Eltern nicht jeden Klick kontrollieren und ihren Kindern ständig über die Schulter schauen. Aber es gehört zu ihrer Verantwortung, die virtuellen Ausflüge zu begleiten und die Kinder vor Gefahren zu schützen.

 

Mythos Nr. 2: Unterm Strich ist das Internet nicht gefährlich.

Wer an die Jahrtausendwende zurückdenkt, erinnert sich an Internetseiten, die ziemlich langweilig waren. Viele Seiten wirkten bestenfalls wie eingescannte Dokumente, von bunten Bildern, Videos und anderen interaktiven Elementen war nicht viel zu sehen.

Heute ist das anders. Es gibt vermutlich kein Thema, das den Weg in die virtuellen Welten noch nicht gefunden hätte. Und jede Information ist letztlich nur wenige Klicks entfernt. Das Internet ist eine schnelle und lebhafte Plattform, auf der alles zusammenkommt, was die Menschen auf der ganzen Welt in irgendeiner Form bewegt. Dass nicht nur seriöse und wertvolle Informationen verbreitet werden und so mancher Nutzer die digitale Anonymität für seine perfiden Spielchen nutzt, bleibt da nicht aus.

Das Internet zu verteufeln und zur Spielwiese des Bösen abzustempeln, ist Quatsch. Aber es ist eben auch kein betreuter Kinderspielplatz. Und es ist Wunschdenken, dass clevere Algorithmen und künstliche Intelligenzen alleine ausreichen, um anstößige oder illegale Inhalte schnell aufzuspüren und umgehend zu löschen. Regelmäßig nachzuvollziehen, mit welchen Informationen die Kinder online hantieren, sollte für die Eltern deshalb selbstverständlich sein.

 

Mythos Nr. 3: Eltern können am besten beurteilen, wie viel Internet ihren Kindern guttut.

Es steht völlig außer Frage, dass Eltern ihre Kinder am besten kennen. Genauso zweifelt niemand daran, dass Eltern weit mehr Lebenserfahrung haben als ihr Nachwuchs. Was ihren Kindern guttut und wo Grenzen gezogen werden müssen, können die Eltern deshalb natürlich beurteilen.

Doch was für das echte Leben in der analogen Welt gilt, lässt sich nicht eins zu eins auf die virtuelle Welt übertragen. Digitalexperten bezeichnen die aktuellen Eltern als eine Übergangsgeneration. Es sind die ersten Eltern einer Generation von Kindern, die mit digitalen Medien groß werden.  Und für diese Eltern ist es nicht immer ganz einfach, mit der modernen Technik Schritt zu halten.

Die meisten Eltern kommen im Beruf mit dem Computer in Berührung. Privat nutzen sie den Rechner fürs Online-Banking, um Verträge zu vergleichen, Reisen zu buchen oder einzukaufen. Vielleicht haben sie ein Profil in den sozialen Netzwerken und unterwegs nutzen sie ihr Smartphone. Doch wenn es darum geht, welche Apps auf dem Schulhof gerade schwer angesagt sind, was als neueste Trends durch die sozialen Medien geistert oder welche Online-Spiele aktuell gezockt werden, sind sie oft überfragt.

Ein souveräner Umgang mit Technologien stellt sich nicht von alleine ein. Eltern sollten bereit sein, sich aktiv mit dem Internet auseinanderzusetzen. Denn erst wenn sie auch digitale Lebenserfahrung gesammelt haben, können sie einschätzen, wie sicher die Kinder im Internet unterwegs sind.

 

Mythos Nr. 4: PC oder Smartphone können ruhig als Babysitter einspringen.

Die Spielekonsole einschalten, den Rechner hochfahren oder das Smartphone in die Hand drücken, ein paar kleine Klicks erledigen und schon sind die Kinder eine ganze Weile beschäftigt: Es ist mehr als verständlich, wenn Eltern elektronische Hilfsmittel nutzen, um selbst etwas Ruhe zu haben. Zumal sie sich beim digitalen Babysitter darauf verlassen können, dass er die Kinder zuverlässig bei Laune hält.

Allerdings wird irgendwann auch das schönste Computerspiel langweilig. Spätestens dann gehen die Kinder entweder selbst auf Erkundungstour und probieren aus, wohin sie gelangen, wenn sie verschiedene Buttons und Links anklicken. Oder die Kleinen fordern dann erst recht Aufmerksamkeit von den Eltern ein, weil die angestaute Energie irgendwo hin muss. Andersherum ist aber auch möglich, dass die Kinder überhaupt nicht einsehen wollen, warum sie schon wieder aufhören sollen, wo es doch gerade spannend wird.


Es geht völlig in Ordnung, wenn sich Kinder mit digitalen Medien beschäftigen. Wichtig ist aber zum einen, dass es klare Regeln gibt. Zum anderen sollten Eltern die Technik nicht als Möglichkeit sehen, um ihre Kinder eine gewisse Zeit lang vor dem Bildschirm zu parken. Stattdessen sollte das Internet ein Zeitvertreib sein, der gelegentlich zum Einsatz kommt und das Gesamtkonzept ergänzt, die Spielzeit mit den Eltern aber nicht ersetzt.

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